REVIEW: Und erlöse uns nicht von dem Bösen (OT: Mais ne nous délivrez pas du mal) (1971)

Düster, erotisch, verdorben.

Nicht grundlos wurde dieser französische Film von Joël Séria wegen blasphemischer Inhalte lange verboten… Zwei heranwachsende, nur scheinbar unschuldige katholische Mädchen werden getrieben von einer Obsession für das Verbotene und Böse…

Die zwei Mädchen scheinen sich, so kam es mir vor, aus bloßem Hass an Tradition und damit verbundenen Zwängen dem Bösen hinzugeben. Der einzig wahrgenommene Auslöser dafür erschienen mir lediglich die intoleranten, gleichgültigen Eltern und die offensichtliche Repression durch das Kloster in dem beide Figuren aufwachsen. Diese anti-katholische Haltung zieht Joël Séria aber auch vorbei an den Rollen beider Mädchen wie einen roter Faden durch den ganzen Film …

Die Hauptdarstellerinnen Jeanne Goupil als dominante und durchtriebene  Anne und die unterwürfig, passive Gespielin Lore, gespielt von Catherine Wagener sind diffuse Antagonisten im Spiel mit dem Bösen und ziehen doch vielleicht gerade deshalb den Zuschauer so schnell in einen Bann mit ihrem jugendlich-unschuldigen Äußeren. Von diesem vorschnellen Eindruck wird man jedoch schnell eines besseren belehrt, denn er schlägt um in die Erkenntnis der puren Boshaftigkeit, eiskalter Berechnung und der Lust an Dominanz und Manipulation. Die Figur Anne ist tatsächlich im Kern vollkommen böse und durchtrieben. Zwar ein wenig sympathischer, aber nicht minder böse, ist die demütige Figur Lore – Sie schaut auf zu Anne, ist fasziniert von ihr und ihrem teuflischen Tatendrang. Trotz mehrmaliger Manipulation und Demütigung – ist sie ihr vollkommen hörig und verfallen.

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Jeanne Goupil spielt eine überaus natürliche und glaubhafte Anne und man kann kaum glauben, dass dies ihre erste große Filmrolle war – denn sie mimt ihre Rolle so überzeugend, dass der Zuschauer sich in einigen Szenen durchaus betroffen und ja, sogar mitschuldig fühlt. Nicht zuletzt weil Joël Séria kompromisslos zeigt was er zeigen will, und zwar wie er es will.

Worauf man bei solchen Einstellungen eingehen muss, ist das Aussehen beider Schauspielerinnen: Catherine Wagener war gerade erst 19 Jahre, ihre den Rang ablaufende Partnerin vor der Kamera, Jeanne Goupil immerhin 21 Jahre – trotzdem wirken beide vor der Kamera so jung als könnten sie tatsächlich 14-jährige sein, wie die Handlung des Films es hält. Dies bringt den Zuschauer schon in eine sehr denkwürdige Lage, denn beide “Lolitas” versprühen nicht unbemerkt immer wieder so einiges an Sex-Appeal. Selbst das kritische Publikum kann sich diesem verbotenen Reiz nicht sperren.

Rückwärts chronologische Cover & Veröffentlichungen 2012 – 1971

Fazit:

Ein zeitloser und Gedanken provozierender Kultfilm und für mich persönlich ein herausragender Exploitation-Klassiker.


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